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Bogenschießen bei einem GUT DRAUF-Treffen

Die Folgen der Pandemie bei Kindern und Jugendlichen

Aus den Ergebnissen aktueller Studien wissen wir, dass sich die Corona-Krise negativ auf die psychische Gesundheit und die allgemeine Lebenszufriedenheit von Kindern & Jugendlichen ausgewirkt hat. Mangelnde soziale Interaktion und fehlende Sport- und Freizeitmöglichkeiten sind eine Säule der aktuellen Herausforderung, aber auch Unsicherheiten durch den Ukrainekrieg sowie die Energie- und Klimakrise führen zu messbaren Belastungen.
Die Folge sind steigende Zahlen der häufigsten psychischen Erkrankungen im Jugendalter wie depressive Störungen, Essstörungen, Angst- und Zwangsstörungen sowie psychotische und Suchterkrankungen.

transfer e. V. hat in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Kinder- und Jugendgesundheit (DIKJ) die einschlägigen Studien zu den Pandemiefolgen bei Kindern und Jugendlichen ausgewertet.

Studienergebnisse: Pandemiefolgen bei Kindern und Jugendlichen

Eine Übersicht relevanter Studienergebnisse zu den Folgen, die die Pandemie bzw. die Pandemiemaßnahmen auf das psychische und psychische Befinden von Kindern und Jugendlichen in Deutschland hatte und noch hat.

Das Fazit vorab

Alle gesundheitsrelevanten Parameter im Kindes- und Jugendalter sind während der Pandemie schlechter geworden. Die Anzahl und die Schwere von Störungen sind zwar nach Ende der Pandemieeinschränkungen zurückgegangen, aber nicht auf ein Niveau von vor der Pandemie. Weitere Daten hierzu sind aber noch nicht veröffentlicht. Dies wird voraussichtlich in Kürze geschehen.

Die festgestellten Störungen und Beeinträchtigungen (siehe unten) können zu schwerwiegenden klinischen Krankheiten führen, wie Krankenhausdaten belegen. Therapeutische Einrichtungen (stationär und ambulant) sind über ihre Kapazitäten hinaus belastet.

Der Förderbedarf sozioökonomisch benachteiligter Kinder ist gestiegen und steigt weiter. Sowohl in der KiTa als auch in der Grundschule, den weiterführenden Schulen und in der Ausbildung sind spezifische Maßnahmen zur Behebung von Defiziten und zur Gesundheitsförderung vermehrt erforderlich.

Befindlichkeitsstörungen

Die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) nahm bei Jugendlichen in der Pandemiezeit deutlich ab. Entsprechend stieg die Zahl der allgemeinen psychischen Probleme deutlich an (Ravens-Sieberer et al., 2023).
Bei Mädchen fanden Witte et al. entsprechend eine Zunahme allgemeiner Stimmungsstörungen von 18 % auf 23 %, Angststörungen von 7 % auf 24 % und Essstörungen von 33 % auf 54 % (Witte et al., 2022).
Allerdings fanden Schnetzer und Hurrelmann einen leichten Rückgang auffälliger Beeinträchtigungen im Jahr 2022 (14–29 Jahre) (Schnetzer & Hurrelmann, 2022).

Insgesamt finden alle Forscher und Forscherinnen eine deutliche Zunahme während der Pandemie. Inwieweit sich diese Störungen nach Ende der Pandemiemaßnahmen wieder zurückbilden oder gebildet haben, ist noch nicht genau erfasst. Es gibt deutliche Anzeichen, dass die Häufigkeit der Störungen deutlich über dem Vorpandemie-Status verbleibt (Felder-Puig, Teutsch, & Winkler, 2023). Die entsprechenden Ergebnisse der deutschen HBSC-Studie sind deshalb mit Spannung zu erwarten (Vorstellung am 04.03.2024).

Auch die Zahl klinisch behandelter emotionaler Störungen (Ängste wie Trennungsangst, soziale Ängstlichkeit oder auch phobische Störungen) nahm während der Corona-Pandemie stark zu: 2021 wurden 42 Prozent mehr 15- bis 17-Jährige klinisch behandelt als 2019 (DAK 2023).
Ähnliche Tendenzen gab es auch bei den Schulkindern im Alter zwischen zehn und 14 Jahren. Hier nahmen vor allem stationäre Behandlungen aufgrund von Depressionen (plus 27 Prozent), Angststörungen (plus 25 Prozent) und Essstörungen (plus 21 Prozent) zu (DAK 2023).

Quellen:
>> Felder-Puig, Rosemarie; Teutsch, Friedrich; Winkler, Roman: Gesundheit und Gesundheitsverhalten von österreichischen Schülerinnen und Schülern. Ergebnisse des WHO-HBSC-Survey 2021/22. Wien: BMSGPK, 2023
>> Ravens-Sieberer, Ulrike et al., Three years into the pandemic: results of the longitudinal German COPSY study on youth mental health and health-related quality of life in frontiers Public Health (06.2023)
>> Schnetzer, Simon; Hurrelmann, Klaus, 2022, Jugend in Deutschland – Trendstudie Winter 2022/23, Kempten 20222
>> Witte, Julian et al., Kinder- und Jugendgesundheit in Zeiten der Pandemie, DAK-Gesundheit 2022
>> DAK-KINDER- UND JUGENDREPORT 2023, Gesundheit und Gesundheitsversorgung während und nach der Pandemie, Report-Präsentation 30.10.2023

Essstörungen

Die Zahl der Jugendlichen mit Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie ist bundesweit gestiegen – besonders in der Corona-Pandemie. Vor allem bei 12- bis 17-jährigen Mädchen und Frauen gab es einer Studie der Kaufmännische Krankenkasse (KKH) zufolge zwischen 2020 und 2021 einen massiven Anstieg um über 30 Prozent. Witte et al. (DAK 2023) stellen ebenfalls eine Zunahme von Essstörungen bei Mädchen während der Pandemie von 33 % auf 54 % fest.

2021 litten 17,6 von 1.000 Menschen im Alter von 12–17 Jahren an einer Essstörung, ein Jahr zuvor waren es 13,4 und im Vor-Corona-Jahr 2019 noch 12,9 von 1.000 Jugendlichen, wie aus den Daten der KKH in Hannover hervorgeht. Laut Hochrechnung dürften bundesweit etwa 50.000 Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren von einer Essstörung betroffen sein – die meisten davon sind Mädchen (ca. 80 %).

Mit Berufung auf die Krankenhausdiagnosestatistik geht auch die Bundesregierung von einer deutlichen Steigerung der diagnostizierten Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen aus (Antwort auf Kleine Anfrage (20/7961). Demnach wurden 2018 insgesamt 4.477 Fälle registriert, 2019 waren es 4.541 Fälle, 2020 insgesamt 4.826 Fälle. 2021 stieg die Zahl der Diagnosen deutlich auf 6.948 Fälle an. Dies entspricht einer Zunahme von 50 %. Am stärksten betroffen waren Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren.

Für den ambulanten Bereich zeigt sich den Angaben zufolge im Kinder- und Jugendreport 2022 der DAK-Gesundheit für die Jahre 2018 bis 2021 ein deutlicher Anstieg in der Neuerkrankungsrate von Essstörungen gegenüber dem Vorpandemiezeitraum nur bei Mädchen. Während 2019 drei von 1.000 Mädchen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren erstmalig eine ärztlich diagnostizierte und behandelte Essstörung aufwiesen, waren es 2021 vier von 1.000 Mädchen. Besonders ausgeprägt sei auch hier die Zunahme der Neuerkrankungen bei jugendlichen Mädchen.
Bei diesen Angaben ist zu berücksichtigen, dass hier nur ärztlich diagnostizierte Fälle berücksichtigt sind. Die Dunkelziffer dürfte noch einmal deutlich höher sein.

Quellen:
>> DAK-KINDER- UND JUGENDREPORT 2023, Gesundheit und Gesundheitsversorgung während und nach der Pandemie, Report-Präsentation 30.10.2023
>> KKH, Die Macht der Beauty-Filter: Magersucht durch Social Mediea?, Hannover 2023
>> DAK Kinder und Jugendreport 2022: Gesundheit und Gesundheitsversorgung vor und während der Pandemie, DAK-Gesundheit 2022

Mediennutzung

Lampert, Thiel & Güngör (2021) stellen einen teilweise deutlichen Anstieg der Mediennutzung fest. Die durchschnittliche tägliche Social-Media-Nutzung stieg von 116 Min (2019) auf 193 Min (2020), die Gaming-Zeit von 80 Min (2019) auf 139 Min. Bei bildungsfernen Kindern und Jugendlichen hat die Nutzung noch deutlicher zugenommen als bei bildungsnäheren. Hinzu kommen lange Bildschirmzeiten während des Distanzunterrichts. Die Zahl und das Ausmaß somatischer Beschwerden kann in Zusammenhang mit dem Medienkonsum gesehen werden. Eine Metaanalyse zahlreicher aktueller Studien konnte mittlerweile zudem zeigen, dass eine intensive Nutzung digitaler Medien durch Jugendliche während der Pandemie mit einem geringeren Maß an mentaler Gesundheit einhergeht (Marciano u. a., 2022).

Zok & Roick (2022) berichten, dass in ihrer Befragung Mütter den übermäßigen Medienkonsum (74,4 %) als Pandemieauswirkung bemängeln (neben Bewegungsmangel (63,2 %) und Reizbarkeit (42,7 %)).

Quellen:
>> Lampert, Thiel und Güngör in: DAK-Gesundheit 2020 (2021) zitiert in DJI impulse (2022)
>> Lampert, Claudia, Thiel, Kira, Mediennutzung und Schule zur Zeit des ersten Lockdowns während der Covid-19-Pandemie 2020. Ergebnisse einer Online-Befragung von 10- bis 18-Jährigen in Deutschland. Unter Mitarbeit von Begüm Güngör. Hamburg 2021
>> Marciano u. a. (2022), Angaben in: Naab, Thorsten und Langmeyer, Alexandra, in: Medien in Zeiten von Corona: Fluch und Segen, Deutsches Jugendinstitut (2022)
>> Zock, Klaus, Roick, Christiane , Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern, in: WIdO Monitor 1/2022

Gewichtsstatus

Laut der forsa-Ernährungsumfrage (2022) sind 16 Prozent der Kinder und Jugendlichen dicker geworden, bei Kindern im Alter von 10 bis 12 Jahren sind es sogar 32 %.
Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien sind doppelt so häufig von einer ungesunden Gewichtszunahme betroffen wie Kinder und Jugendliche aus einkommensstarken Familien (23 % zu 12 %) (forsa-Umfrage 04/2022).
Daten der DAK zeigen einen deutlichen Anstieg der Krankenhausbehandlungen wegen Adipositas bei Kindern und Jugendlichen im Jahr 2020 (DAK Kinder- und Jugendreport (2022)).
Ebenso stellt die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) aufgrund ihrer Versichertendaten fest, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit krankhaftem Übergewicht bundesweit seit Jahren deutlich – besonders während der Corona-Pandemie – ansteigt. Zwischen 2011 und 2021 wuchs die Zahl der von Adipositas betroffenen 6- bis 18-Jährigen um 33,5 %. Bei der Teilgruppe der 15- bis 18-Jährigen erhöhte sie sich sogar um 42,5 % und bei Jungen von 15 bis 18 Jahren gar um 54,5 %. Die Lockdown-Phasen in der Pandemie hätten die Lage noch verschärft, warnte die KKH.
Nach Angaben von Christine Joisten, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindesalter, gibt es vor allem in sozialen Brennpunkten einen massiven Anstieg.
Kinder und Jugendliche haben nach COVID-19 laut einer aktuellen Analyse ein mehr als doppelt so hohes Risiko, an einer Form von Diabetes zu erkranken. (Center for Desease Control and Prevention, 2023)

Quellen:
>> forsa-Umfrage zum „BMEL-Ernährungsreport 2022, Deutschland, wie es isst“, Veröffentlichung: BMEL 2022
>> DAG, EKFZ & AGA, Folgen der Pandemie: Wie Corona das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen verändert hat (31.5.2022)
>> DAK Kinder- und Jugendreport 2022;
>> KKH, Immer mehr Kinder bringen zu viele Kilos auf die Waage. Psychische Gesundheit in den Fokus rücken / Corona wirkt als Treiber Hannover 2022
>> National Health Interview Survey, Center for Desease Control and Prevention (2023) Percentage of Children and Adolescents Aged 5–17 Years Who Had Ever Received a Diagnosis of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder, by Urbanization Level and Age Group

Ernährungsverhalten

Eine repräsentative Elternumfrage im Auftrag der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) und des Else-Kröner-Zentrums (EKFZ) (forsa-Umfrage 04/2022) zeigt, dass 27 Prozent der Kinder und Jugendlichen häufiger zu Süßwaren greifen als vor der Pandemie. Die Befragung zeigt aber auch, dass 34 % der Familien häufiger gemeinsam essen und sich 14 % gesünder als vor der Pandemie ernähren. Die Kinder aßen mehr Gemüse (14 %) und Obst (20 %), aber weniger Fleisch und Wurstwaren (13 %). Gleichzeitig nahm aber auch der Konsum von salzigen Knabbereien (18 %), Süßigkeiten (20 %) und Softdrinks (18 %) zu, vor allem bei über 10-Jährigen und Jungen. (ebenda)

Quellen:
>> forsa-Umfrage 04/2022 in: DAG-Pressemeldung (31.5.2023); forsa-Umfrage zeigt Folgen der Corona-Krise für Kinder: Gewichtszunahme, weniger Bewegung, mehr Süßwaren – Jedes sechste Kind ist dicker geworden

Bewegungsverhalten

In der Erhebung von Lambert, Thiel und Güngör (2021) geben die Hälfte der befragten Kinder und Jugendlichen an, an mindestens drei bis vier Tagen in der Woche Sport gemacht zu haben. Weitere 27 Prozent sind ein- bis zweimal pro Woche einer sportlichen Aktivität nachgegangen. Lediglich 19 % haben sich nie oder weniger als einmal pro Woche sportlich betätigt. Dabei scheint die jüngste Altersgruppe im Alltag etwas aktiver zu sein als die beiden älteren Gruppen. Zwischen Mädchen und Jungen zeigen sich dagegen keine nennenswerten Unterschiede.
Aber die forsa-Umfrage 2022 (Elterndaten) gibt an, 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen bewegen sich weniger als vor der Pandemie, bei Kindern im Alter von 10 bis 12 Jahren sind es sogar 57 %.

Bei 33 Prozent der Kinder und Jugendlichen hat sich die körperlich-sportliche Fitness verschlechtert, bei Kindern im Alter von 10 bis 12 Jahren sind es sogar 48 %. (Forsa Umfrage 04/2022)

Quellen:
>> Lampert, Claudia, Thiel, Kira, & Güngör, Begüm, Mediennutzung und Schule zur Zeit des ersten Lockdowns während der Covid-19-Pandemie 2020, Hamburg 2021
>> forsa-Umfrage 04/2022 in: DAG-Pressemeldung (31.5.2023); forsa-Umfrage zeigt Folgen der Corona-Krise für Kinder: Gewichtszunahme, weniger Bewegung, mehr Süßwaren – Jedes sechste Kind ist dicker geworden

Entwicklungsstörungen und Störung sozialer Funktionen

Zu Entwicklungsstörungen und sozialer Störungen liegen bisher keine Studienergebnisse für die postpandemische Zeit vor. Aufgrund der Analyse von Krankenhausdaten (DAK 2022) wurden 2021 36 Prozent mehr Kinder im Alter zwischen fünf und neun Jahren aufgrund von Störungen sozialer Funktionen in Kliniken behandelt. Bei Entwicklungsstörungen war es ein Plus von elf % (bei beidem fast doppelt so viele Jungen wie Mädchen). Offenbar entwickeln Jungen eher dissoziales Verhalten, während sich Mädchen eher in eine Essstörung flüchten.

Quellen:
>> DAK-Report 2022

Jugend und Politik

Jugendliche gehören zu dem von der Pandemie hinsichtlich des ihnen abverlangten Verzichts auf Bildung und soziales Leben am schwersten betroffenen Teil der Gesellschaft.

Hinsichtlich des Vertrauens in Politik und deren Problemlösungsfähigkeiten bei Jugendlichen scheint die Pandemie allerdings nicht folgenlos zu bleiben. Hierauf verweist vor allem auch die von jungen Menschen vielfach vorgetragene Einschätzung, dass sie, die Jugend, in der Pandemie von der Politik vergessen worden sei (Million 2021).

Deutlich mehr Misstrauen in die Politik dürfte die unmittelbare Erfahrung von Missständen im Schulsystem geschürt haben (siehe etwa die Befunde der drei JuCo-Studien, zuletzt Andresen u. a. 2022). Der mangelnde Wille oder das mangelnde Vermögen, die sich in der Pandemie krisenhaft zuspitzenden Probleme schnell und effektiv anzugehen, werden seitens der Jugendlichen unmittelbar der Politik zugerechnet.

Die Politik muss stärker auf Jugendliche zugehen, ihnen Beteiligungsangebote machen und sie ernst nehmen. Diese Empfehlungen sind viel älter als die Pandemie. Die lebensweltlichen Erfahrungen im Alltag – vor allem im schulischen Alltag – sind das, was für Jugendliche vorrangig zählt. Bildungspolitik ist nicht alles, sie hat für Jugendliche aber erste Priorität, wenn es um ihre Kompetenzzuschreibung an die Politik geht.

Quellen:
>> Albert, Mathias, Jugend und Politik: ein belastetes Verhältnis, in: DJI Impulse 2/2022, Der lange Weg aus der Pandemie

Allgemeine Aussagen

Andreas Storm, DAK Vorstandsvorsitzender: „Lage hat sich dramatisch verschärft.“ … „Wir dürfen nicht länger zuschauen, sondern müssen dem Thema Kinder- und Jugendgesundheit endlich mehr Gewicht geben und handeln. Die Lage hat sich im vergangenen Jahr dramatisch verschärft, doch noch hat die Politik darauf nicht entsprechend reagiert. Deshalb ist die Einrichtung einer Enquete-Kommission durch den Deutschen Bundestag aus meiner Sicht der richtige Weg, um die Probleme weiter zu analysieren und noch in dieser Legislaturperiode erste Konsequenzen umzusetzen. Es geht um die gesundheitliche Zukunft einer ganzen Generation.“

„Die Corona-Pandemie und ganz besonders die von der Politik verhängten Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung haben Kindern in allen Altersstufen erheblichen gesundheitlichen Schaden zugefügt. Neben eher organischen Krankheiten wie Adipositas betreffen die feststellbaren Gesundheitsschäden vorwiegend den psychosozioemotionalen Bereich“, sagt Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. „Kinder und Jugendliche stellen eine ebenso vulnerable Gruppe innerhalb der Bevölkerung dar wie alte beziehungsweise vorerkrankte Bürgerinnen und Bürger während der Corona-Pandemie. Während letzteren natürlich auch zu Recht Aufmerksamkeit und Fürsorge gewidmet wurden, haben die politisch Verantwortlichen über zwei Jahre lang die ebenso existentiell wichtigen Bedürfnisse und Bedarfe der jungen Generation schlichtweg ignoriert. Der dadurch bedingte Schaden ist erheblich, wie der vorliegende DAK-Report zeigt. Wie viele Dauerschäden entstanden sind, ist heute noch schwer zu erfassen. Aus den Fehlern der Pandemiebekämpfung müssen Lehren gezogen werden, insbesondere von Seiten der Politik. Auch Kinder haben die gleichen Rechte wie Erwachsene, und zwar immer. Und diese Rechte gehören in unser Grundgesetz.“

Die Studienlage zeigt, dass Jugendliche im Verlauf der Pandemie insbesondere unter dem Wegfall der nicht-medialen Freizeitbeschäftigungen (Freunde treffen, Sportverein, Jugendtreff, Freizeiteinrichtungen) gelitten haben (Langmeyer u. a. 2020). Vor diesem Hintergrund hätten die Bedürfnisse von Jugendlichen bei Entscheidungen zur Pandemiebekämpfung stärker in den Fokus gerückt werden müssen. (DJI-Impulse 2022, Langmeyer)

Alle Jugendlichen sind betroffen, aber alle in unterschiedlicher Weise. Diese Betroffenheit unterscheidet sich beispielsweise stark nach sozialem beziehungsweise ökonomischem Status und der damit verbundenen Wohnsituation oder Erwerbstätigkeit.

„Die Krankheitslast ist ungleich verteilt und Corona hat das erheblich verschärft“, ergänzt Prof. Hans Hauner, Direktor des EKFZ für Ernährungsmedizin und DAG-Vorstandsmitglied. „Die Folgen der Pandemie müssen aufgefangen werden, sonst werden die ‚Corona-Kilos‘ zum Bumerang für die Gesundheit einer ganzen Generation. Die Stärkung geeigneter Therapie-Angebote, die alle Gruppen gleichermaßen erreicht, ist nun von enormer Bedeutung“, so Prof. Hauner. Die Finanzierung der Adipositas-Therapie durch die Krankenkassen müsse dafür zur Regel werden.

Quellen:
>> Andreas Storm in: DAK-Pressemeldung, Hamburg 27.5.2022, Pandemie: Depressionen und Essstörungen bei Jugendlichen steigen weiter an
>> Statement von Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ), zum Kinder- und Jugendreport 2022 der DAKGesundheit (Interview Mai 2022)
>> Hans Hauner, in: forsa-Umfrage 04/2022 in: DAG-Pressemeldung (31.5.2023); forsa-Umfrage zeigt Folgen der Corona-Krise für Kinder: Gewichtszunahme, weniger Bewegung, mehr Süßwaren – Jedes sechste Kind ist dicker geworden

Corona-Folgen bei Kindern und Jugendlichen – Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen: Ausgewählte Studien

Zusammenfassungen relevanter Studien. Es werden nur die Ergebnisse dargestellt, die im Rahmen dieses Themenkreises von Bedeutung sind.

KIDA-Studie – Kindergesundheit in Deutschland aktuell

Zielsetzung:
Erhebung des Gesundheitszustands und Gesundheitsverhalten Von Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren nach der Pandemie

Durchführung:
Robert Koch-Institut, Berlin (RKI)
Telefonische Elternbefragung von Kindern 3–15 Jahre. Tel. Befragung Jugendliche 15–17 Jahre. Anschließende vertiefende Online-Befragung, Untersuchungszeitraum Februar 2022 bis April 2023
4 Quartalsberichte von Dez. 2022 bis Juli 2023
Veröffentlicht: 2022–2023

Relevante Ergebnisse:
In den ersten Befragungszeitraum (Februar bis Mai 2022) entfielen noch viele Neuerkrankungen auf diese Zielgruppe, die höchste Inzidenz gab es in der Gruppe der 10- bis 14-Jährigen.
In den ersten Befragungszeitraum fiel noch eine erhebliche Zahl von eindämmenden Maßnahmen: KiTa-Schließungen, regionale Schulschließungen, Arbeitsplatzschließungen, Mund-Nasen-Schutz-Pflicht, Versammlungseinschränkungen etc.

Der Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen war im Befragungszeitraum gegenüber der vorpandemischen Zeit verschlechtert (bei etwa 20 %). Teilweise bestand ein erhöhter Bedarf an professioneller Unterstützung/Behandlung.
Insbesondere Kinder zwischen 7 und 15 Jahren, aus Familien mit niedriger Bildung sowie mit Eltern ohne feste Partnerschaft sind von einer Verschlechterung der allgemeinen Gesundheit seit Beginn der COVID-19-Pandemie betroffen.

Das Bewegungsverhalten entsprach bei 57 % der Kinder und Jugendlichen den WHO-Empfehlungen (min. 1 Stunde intensiv pro Tag). Je höher das Alter desto seltener waren sie wie empfohlen körperlich aktiv. Mädchen erreichten die WHO-Bewegungsempfehlung tendenziell seltener als Jungen.

Die Ernährungssituation der Kinder und Jugendlichen hat sich nicht verschlechtert. Für etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen wurde täglich zu Hause gekocht. 13 % gaben an, dass auf Grund der Pandemie häufiger gekocht werde.
Nur die Hälfte der Heranwachsenden aß täglich sowohl Obst als auch Gemüse. Von den 12-bis 17-Jährigen trank jeder Dritte mindestens drei- bis viermal pro Woche zuckerhaltige Erfrischungsgetränke. In einkommensschwachen Haushalten war ein seltener Konsum von Obst und ein häufigerer Konsum von zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken zu verzeichnen.
An der Schulverpflegung nahmen tendenziell mehr Kinder und Jugendliche aus einkommensstärkeren Familien teil.

Ein Jahr nach Ende der Pandemiemaßnahmen geben nur noch 12,5 % der Eltern einen verschlechterten Gesundheitszustand ihrer Kinder im Vergleich zur vorpandemischen Zeit an, bei Kindern mit einem speziellen Versorgungsbedarf lag diese Zahl mit 23,4 % deutlich höher.
Vielen Eltern (insbesondere aus bildungsfernen, einkommensschwachen Haushalten) waren spezielle Hilfsangebote nicht bekannt.

Als am meisten belastend erlebten die Kinder und Jugendlichen die Kontakteinschränkungen und die Befürchtung, andere zu infizieren (etwa jedes dritte Kind). In Hinblick auf die familiären Belastungsfaktoren war ein großer Teil der Heranwachsenden durch familiäre Konflikte, Zukunftssorgen der Eltern oder finanzielle Einschränkungen des Haushalts belastet. Im Vergleich zu Belastungen, die sich direkt oder indirekt auf die COVID-19-Pandemie beziehen, wurden Belastungen durch den Krieg in der Ukraine zum Ende des Befragungszeitraums häufiger genannt.

Interessante Zitate:
„Auf Basis der vorliegenden Ergebnisse der KIDA-Studie lassen sich Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem Einkommen und aus Ein-Eltern-Familien als Zielgruppen identifizieren, die gezielt dabei unterstützt werden sollten, mit den erfahrenen Belastungen umzugehen und bestehende Herausforderungen (z. B. in Familie, Schule, KiTa, mit Freundinnen oder Freunden) anzugehen, um zu verhindern, dass diese Belastungen langfristig zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.“ (4. KIDA-Quartalsbericht)

Quellen:
(Abruf: 15.2.2024)
>> 1. Quartalsbericht – Kindergesundheit in Deutschland aktuell (KIDA): Monitoring der Kindergesundheit in (und nach) der COVID-19-Pandemie (13.12.2022)
>> 2. Quartalsbericht – Kindergesundheit in Deutschland aktuell (KIDA): Monitoring der Kindergesundheit in (und nach) der COVID-19-Pandemie (28.11.2022)
>> 3. Quartalsbericht – Kindergesundheit in Deutschland aktuell (KIDA): Monitoring der Kindergesundheit in (und nach) der COVID-19-Pandemie (2.7.2023)
>> 4. Quartalsbericht – Kindergesundheit in Deutschland aktuell (KIDA): Monitoring der Kindergesundheit in (und nach) der COVID-19-Pandemie (28.11.2022)

COPSY-Studie (CO VID-19 and PSY Chological Health)

Zielsetzung:
Unterschiede sozialer Benachteiligung zu ökonomisch und sozial besser gestellten erforschen und längerfristige Auswirkungen beschreiben
In den letzten drei Jahren hat die Studie COPSY (CO VID-19 und PSY Chological Health) die Veränderungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (HRQoL) und der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der COVID-19-Pandemie beobachtet.

Durchführung:
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE)
Eine bundesweite, bevölkerungsbasierte Umfrage. Die Befragung wurde seit Mai 2020 bis jetzt fünf Mal durchgeführt. Die aktuelle Befragung enthält Daten aus der 5. Befragungswelle Oktober 2022. Altersgruppe 7–17 Jahre und deren Familien, Fragebogendesign.
Verantwortlich: Prof. Dr. Ravens-Sieberer (UKE); Dr. Kaman (UKE)
Veröffentlicht: 2023

Relevante Ergebnisse:
Die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) nahm bei Jugendlichen in der Pandemiezeit deutlich ab. Entsprechend stieg die Zahl der allgemeinen psychischen Probleme deutlich an. Depressive Symptome stiegen ebenfalls während der Pandemie deutlich an. Auch psychosomatische Beschwerden nahmen deutlich zu. Nach Ende der Pandemiemaßnahmen verbesserte sich die gesundheitsbezogene Lebensqualität, die Zahl allgemeiner psychischer Probleme und depressive Symptome nahmen entsprechend ab. Insgesamt sind alle Werte (abgesehen von depressiver Verstimmung) aber auch in der letzten Befragung noch deutlich schlechter als vor der Pandemie.

Das Bewegungsverhalten entsprach bei 57 % der Kinder und Jugendlichen den WHO-Empfehlungen (min. 1 Stunde intensiv pro Tag). Je höher das Alter desto seltener waren sie wie empfohlen körperlich aktiv. Mädchen erreichten die WHO-Bewegungsempfehlung tendenziell seltener als Jungen.
HRQoL (Health-Related Quality of Life)
15 % (vor Pandemie)
48 % (Jan 21)
27 % (Okt 22)
Allgemeine psychische Probleme
18 % (vor Pandemie)
30 % (Jan 21)
23 % (Okt 21)
Angst
15 % (vor Pandemie)
30 % (Jan 21)
25 % (Okt 21)
Depressive Symptome
15 % (vor Pandemie)
24 % (Jan 21)
14 % (Okt 21)
Einige Kinder profitieren von der näheren familiären Einbindung während der Lockdowns. Mädchen haben ein zweifach höheres Risiko für HRQol, für Angstzustände und depressive Verstimmungen als Jungen.

Interessante Zitate:
„Ein weiteres wichtiges Ergebnis, das von mehreren Studien berichtet wurde, ist, dass bestimmte Untergruppen von Jugendlichen (z. B. mit bisher bestehenden psychischen Problemen, einem niedrigeren Bildungsniveau oder einem niedrigen sozioökonomischen Status ihrer Eltern mit Migrationshintergrund, begrenztem Wohnraum) besonders anfällig für ihre psychische Gesundheit während der Pandemie waren. Auf der anderen Seite scheinen Kinder und Jugendliche mit Ressourcen wie familiäre und soziale Unterstützung und eine optimistische Haltung besser mit der Pandemie fertig zu werden, d. h. sie neigen dazu, geistig gesünder zu sein, was auch vorpandemisch gezeigt wurde.“

Anmerkung: Aufgrund der universitären Veröffentlichungspraxis sind die Studiendaten auf ca. zehn Veröffentlichungen verteilt. Ich habe noch nicht alles gesichtet. Spezifische Ergebnisse gerade zur sozialen Benachteiligung fehlen noch. Werde ich nachtragen.

Quellen:
(Abruf: 15.2.2024)
>> Ravens-Sieberer, Ulrike et al., Three years into the pandemic: results of the longitudinal German COPSY study on youth mental health and health-related quality of life in frontiers Public Health (06.2023)
>> Schnetzer, Simon, und Hurrelmann, Klaus, (2022) Jugend in Deutschland – Trendstudie Winter 2022/23. Die Wohlstandsjahre sind vorbei: Psyche, Finanzen, Verzicht. (2023)
>> Witte, Julian, Zeitler, Alena, Batram, Manuel, Diekmannshemke, Jana, Hasemann, Lena, Kinder- und Jugendreport 2022. Kinder- und Jugendgesundheit in Zeiten der Pandemie. DAK Gesundheit (8.2022)
>> Funk – das Content-Netzwerk von ARD und ZDF
>> Naab, Thorsten, Langmeyer, Alexandra, Medien in Zeiten von Corona: Fluch und Segen

COMO-Studie

Zielsetzung:
Untersucht Auswirkungen der Pandemie auf physische und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Es sollen vulnerable Gruppen identifiziert werden, um gezielt Interventionsansätze für eine zielgerichtete Gesundheitsförderung und Prävention zu entwickeln.

Durchführung:
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (federführend), 5 Forschungseinrichtungen beteiligt (Karlsruhe Institut of Technology, PH Karlsruhe, Uni Konstanz, Uni Bochum)
Längsschnittstudie, baut auf Copsy- und MoMo-Studie auf, verbindet deren Design zu einer multidisziplinären Studie. Befragung von Eltern und Kindern.
Verantwortlich: Prof. Dr. Ravens-Sieberer (UKE); Dr. Kaman (UKE); Ansprechpartnerin: Dr. Franziska Reiß f.reiss@uke.de
Veröffentlicht: erste Presseerklärung 19.12.2023

Relevante Ergebnisse:
Derzeit noch keine, nur Absichtserklärungen, insbesondere auch mit der Verknüpfung zu Handlungsempfehlungen zur Prävention

Quellen:
(Abruf: 15.2.2024)
>> COMO-Studie
>> UKE, COMO-Längsschnittstudie 

Corona-KiTa-Studie

Zielsetzung:
Ziel der Studie war es, das Infektionsgeschehen während der Pandemie und den pandemiebedingten Restriktionen abzubilden und deren Auswirkungen auf die Kinder und deren Betreuungspersonen zu beschreiben. Darüber hinaus ging es auch darum, Unterstützungsbedarfe von Familien und Kindertageseinrichtungen und die mittelfristigen Folgen der Pandemie (z. B. Entwicklungsschwierigkeiten bei Kindern, Post-COVID-Symptome) zu untersuchen.

Durchführung:
Deutsches Jugendinstitut (DJI) und Robert Koch-Institut (RKI); Mitte 2020 bis Ende 2022; zweite Projektphase 2022
Veröffentlicht: November 2022

Relevante Ergebnisse:
Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Kinder die Schließungen und Einschränkungen gut bewältigt haben. Allerdings sehen die Einrichtungen ein deutliches Bewältigungsdefizit bei sozioökonomisch schwachen Familien, bei doppelerwerbstätigen Paaren und Alleinerziehenden.
Die deutlich eingeschränkten Teilhabemöglichkeiten der Kinder während der Schließungen und der Kontaktbegrenzungen führten bei den Kindern zu besonderen Belastungen und erhöhtem Stresserleben. Die Kinder nahmen dieses Einsamkeitserleben und das Fehlen ihrer Peergroup-Kontakte deutlich war.
Psychosomatische Beschwerden und Befindlichkeitsstörungen treten während der Pandemiezeit vermehrt auf, auch mitbedingt durch die Erkrankung an COVID-19. Ob diese Störungen nach der Pandemie weiterhin vermehrt auftreten, vermag die Studie nicht zu sagen, da vorpandemische Vergleichszahlen fehlen. Ein signifikanter Unterschied der gesundheitlichen Beeinträchtigungen zwischen erkrankten und nicht erkrankten Kindern nach Ende der pandemiebedingten Einschränkungen wurde nicht festgestellt.

Symptome von infizierten Kindern
Insgesamt 120.215 übermittelte SARS-CoV-2-Fälle unter Kindern (1 bis 6 Jahren) (Stand: 09.03.22)
Symptome, die sich signifikant von Symptomen negativ getesteter Kinder unterscheiden: Schnupfen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Gliederschmerzen, Fieber
In allen vier Phasen der Pandemie waren Husten (41–54 %), Fieber (41–53 %) und Schnupfen (40–54 %) die häufigsten Symptome.

Symptome im Langzeitverlauf
Untersuchungszeitraum: 7–12 Monate nach Krankheitsausbruch, tel. Interview, Vergleich mit Symptomen nicht erkrankter Kinder
Die Häufigkeit der ermittelten Symptome (Durchfall, Halsschmerzen, Allgemeine Symptome (?), Schnupfen, Fieber, Husten) unterschieden sich nicht signifikant zwischen Infektions- und Kontrollgruppe.
(Anmerkung: Statistisch selten auftretende Ereignisse können mit dieser Methode und der kleinen Stichprobe nicht sicher ermittelt werden)

Zusammenfassung:
Dabei ist zwischen primären Pandemiefolgen durch eine SARS-CoV-2-Erkrankung von Kindern und sekundären Folgen als Folgen der Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung zu differenzieren. Insbesondere die drei KiTa-Schließungsphasen führte bei KiTa-Kindern zu einem sinkenden Wohlbefinden und vermehrtem Einsamkeitserleben. Alle Kinder vermissten ihre Peer-Kontakte.
Die Studie zeigt, dass bereits im Kita-Alter ein gehäuftes Auftreten von psychosomatischen Symptomen, insbesondere Reizbarkeit, Nervosität, Niedergeschlagenheit und Bauchschmerzen beobachtet werden kann, teilweise in ähnlich hohem Ausmaß wie im Schulalter.
Die Studie gibt Hinweise darauf, dass die Förderbedarfe der Kinder durch den wochen- bzw. monatelangen Ausfall an frühkindlicher Bildung langfristig zugenommen haben.
Langfristig auftretende Symptome unterschieden sich in ihrer Auftretenshäufigkeit nicht signifikant zwischen infizierten und nicht infizierten Kindern. Infizierte Kita-Kinder hatten jedoch häufiger Kopfschmerzen.
Die Studie erfasst ebenfalls detailliert die personale Situation der KiTa-Einrichtungen (insbesondere auch corona- und maßnahmenbedingte Ausfälle) während der Pandemiezeit.

Interessante und zentrale Zitate:
„Je höher der Anteil an Kindern aus sozioökonomisch schwachen Familien ist, desto pessimistischer sind die Angaben der Einrichtungen.“

„… einem erhöhten allgemeinen Stresserleben der Eltern und einer erhöhten Belastung durch die Betreuung der eigenen Kinder. Von dieser Belastung waren doppelerwerbstätige Elternpaare sowie Alleinerziehende besonders betroffen.“

„Die Befunde der Studie zeigen die deutlich eingeschränkten Teilhabemöglichkeiten für Kinder während der Pandemie auf. Insbesondere die drei KiTa-Schließungsphasen (Mitte März – Sommer 2020 im Rahmen des ersten Lockdowns, Mitte Dezember 2020 – Anfang März 2021 im Rahmen des zweiten Lockdowns und Ende März – Ende Mai 2021 im Rahmen der bundesweiten Notbremse während der dritten Welle) haben zu mehrmonatigen Ausfällen in der Nutzung von Teilhabe und Bildungsgelegenheiten für viele KiTa-Kinder geführt.“

„Auch in der Krisensituation der Pandemie waren jene Einrichtungen, Kinder und Familien besonders betroffen, die aufgrund schwieriger Lagen besondere Unterstützung benötigen.“

„Die über zwei Jahre andauernde Coronapandemie hatte zeitweise deutliche Auswirkungen auf die Lebens- und Alltagswelten von jungen Kindern. Dies betraf zum einen wiederkehrende, monatelange Einschränkungen beim Besuch gewohnter Bildungs- und Betreuungsorte, wie der Kindertagesbetreuung (KiTa), aber auch die Nutzung non-formaler Förderangebote, beispielsweise von Vereinen, Musikschulen, Kirchen, Bibliotheken, Eltern-Kind-Gruppen oder anderen Initiativen für Kinder. Auch viele Freizeit- und Spielangebote sowie Veranstaltungen für junge Kinder, wie der Besuch von (Indoor-)Spielplätzen, Kletterhallen, Museen, Tier- oder Wildparks, wurden im Rahmen der gesetzlichen Regelungen zum Infektionsschutz insbesondere in den ersten eineinhalb Jahren der Pandemie über längere Zeiträume immer wieder verboten oder nur unter besonderen Rahmenbedingungen erlaubt.“

„Damit war für viele Kinder nicht nur der Kontakt zu wichtigen außerfamilialen Bezugspersonen, wie z. B. Erzieherinnen oder Kindertagespflegepersonen, meist wochenlang eingeschränkt, sondern aufgrund der allgemeinen Kontaktbeschränkungen in der Bevölkerung betraf dies oftmals auch Kontakte zu Familienmitgliedern außerhalb der Kernfamilie (z. B. zu den Großeltern), Nachbarschaftskontakte sowie Kontakte zu gleichaltrigen Freunden und Spielpartnern. Kinder mussten in der Pandemiezeit zudem auch mit sich kontinuierlich verändernden innerfamilialen Gewohnheiten und Routinen umgehen. Dazu gehörten Einschränkungen im Besuch von Kindertageseinrichtungen und Schulen, die Betroffenheit der Eltern von beruflichen Veränderungen wie Homeoffice, Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit, aber auch ein veränderter Alltag durch Reise- oder Kontaktbeschränkungen sowie Quarantäneregelungen, der sich oftmals negativ auf das elterliche Stress- und Belastungserleben auswirkte (vgl. Kap. 3.9, u. a. Huebener et al., 2021; Döpfner et al., 2021). Für Kinder führten Lockdownphasen und pandemiebedingte Veränderungen im familialen Alltag ebenfalls zu besonderen Belastungen und erhöhtem Stresserleben (Ravens-Sieberer et al., 2020; Schlack et al., 2020; Buheji et al., 2020; Panda et al., 2021). Insbesondere Familien mit geringeren finanziellen und bildungsbezogenen Ressourcen berichteten im ersten Lockdown häufiger, dass ihr Kind nicht gut mit der Pandemiesituation zurechtkommt (Langmeyer et al., 2020).“

„Erste Studien zeigen außerdem, dass auch Langzeitsymptome nach einer SARS-CoV-2-Infektion bei Kindern auftreten. Laut der aktuellen Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden unter dem sogenannten Post-COVID-Syndrom Anzeichen und Symptome zusammengefasst, die während oder nach einer SARS-CoV-2-Infektion auftreten, mindestens zwölf Wochen andauern und nicht durch eine andere Diagnose erklärt werden können. Die WHO weist darauf hin, dass sich diese Falldefinition ändern kann und nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen regelmäßig aktualisiert werden muss (WHO 2021). Die WHO hat noch keine Definition von Post-COVID für Kinder festgelegt. Aktuell veröffentlichte Studien zu einer Post-COVID-Symptomatik beziehen sich überwiegend auf Erwachsene, im Vergleich dazu ist über die Prävalenz von Langzeit-Beschwerden bei Kindern deutlich weniger bekannt, so dass die Datenlage bisher eingeschränkt ist.“

Betroffenheit von KiTa-Schließungen:
„Während der zweiten Kita-Schließungsphase, in der die Länder teilweise Notbetreuung einführten und teilweise an die Eltern appellierten, ihr Kind nicht institutionell betreuen zu lassen, sank der Anteil der Kinder mit KiTa-Nutzung im Januar 2021 auf 47 % aller Kinder bis zum Schuleintritt und 55 % im Februar 2021. In dieser Zeit konnten demnach fast die Hälfte aller Kinder (45 %) bzw. über ein Drittel der Kinder (37 %) nicht ihre Kindertagesbetreuung besuchen. In der dritten, inzidenz-abhängigen Kita-Schließungsphase im April und Mai 2021 stieg der Anteil der Kinder mit KiTa-Nutzung wieder auf über 70 % an, so dass in dieser Zeit noch etwa ein Fünftel der Kinder (20–23 %), die normalerweise eine Kindertagesbetreuung besuchen, zu Hause blieben. Insgesamt wird deutlich, dass insbesondere in der ersten und zweiten KiTa-Schließphase viele Kinder aufgrund der restriktiven Zugangsregelungen jeweils mehrere Monate lang nicht ihre gewohnte Kindertagesbetreuung besuchen konnten.“

„… ab Juni 2021 dennoch viele Kinder weiterhin von kürzeren oder längeren KiTa-Ausfällen durch Quarantäne oder z. B. Personalmangel aufgrund von erkrankten Beschäftigten betroffen waren. Dabei war zu beobachten, dass der Kita-Ausfall in Einrichtungen mit einer großen Anzahl an Kindern aus sozial benachteiligten Familien höher war als in Einrichtungen mit weniger sozial benachteiligten Kindern.“

„Hier wird deutlich, dass der größte Teil der KiTa-Kinder im Alter ab 3 Jahren (31 %) seit März 2020 einen KiTa-Ausfall von zusammengenommen drei bis vier Monaten erlebt hat. 24 % der KiTa-Kinder haben insgesamt fünf bis sechs Monate keine Kindertagesbetreuung besucht. Knapp 17 % der KiTa-Kinder waren sieben Monate und länger nicht in ihrer Kindertagesbetreuung. Kürzere KiTa-Ausfälle von insgesamt ein bis zwei Monaten bzw. weniger als einem Monat erlebten 11 bzw. 18 % der KiTa-Kinder ab 3 Jahren. So wird deutlich, dass mehr als zwei Drittel der KiTa-Kinder ab 3 Jahren über mehrere Monate auf die institutionelle Bildung und Betreuung verzichten mussten, was unter anderem mit Befürchtungen über langfristige Folgen für die kindliche Entwicklung verbunden war.“

Änderungen im Wohlbefinden von Kindern bis Schuleintritt:
„Mit Blick auf die elterliche Einschätzung zur Frage, wie gut das Kind mit der Pandemiesituation zurechtkommt, wird deutlich, dass die in der Elternbefragung erfassten Kinder insgesamt gut mit der Situation im Zeitraum November 2020 bis August 2021 zurechtkamen.“

„Insbesondere das Spielen mit Gleichaltrigen ist bedeutsam für die kindliche Entwicklung in den ersten Lebensjahren (Heimlich 2017).“

„In Zeiten der zweiten und dritten Kita-Schließungsphase (Januar bis Mai 2021), in denen aufgrund der hohen Inzidenzzahlen Kontaktbeschränkungen für die Bevölkerung eingeführt oder verschärft wurden, kam es zu einem höheren Einsamkeitserleben bei allen erfassten Kindern als in Zeiten, in denen die Beschränkungen wieder aufgehoben wurden, wie dies im Sommer 2021 der Fall war. Weitere Analysen ergaben, dass Familien während der zweiten und dritten Kita-Schließungsphase den regelmäßigen Kontakt zu anderen Familien deutlich eingeschränkt hatten, was das Einsamkeitserleben der Kinder zusätzlich beförderte.“

„Während die allgemeine Einschätzung zum kindlichen Wohlbefinden sowie zum kindlichen Einsamkeitserleben über die Pandemiezeit schwankte, bewegen sich die elterlichen Einschätzungen zu hyperaktivem Verhalten des Kindes als ein Aspekt von Verhaltensproblemen sowie zu Problemen beim Ein- und Durchschlafen auf konstantem und niedrigem Niveau, so dass hier wenige Auffälligkeiten in der Pandemiezeit zu beobachten waren. Vergleichszahlen zur Situation vor der Pandemie liegen nicht vor.“

„KiTa-Kinder, die in Zeiten eingeschränkter Betreuung und allgemeiner Kontaktbeschränkungen weiterhin in die Kindertagesbetreuung gehen können, zeigen hohe Werte im kindlichen Wohlbefinden, während KiTa-Kinder, die pandemiebedingt derzeit keine Kindertagesbetreuungs-angebote besuchen, also derzeit von den Eltern oder anderen Personen betreut werden, die geringsten Werte im Wohlbefinden zeigen. Damit waren diese Kinder am meisten von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Mit der Rückkehr in die KiTas und dem generellen Aufheben der Beschränkungen ging dann wieder ein Anstieg des Wohlbefindens einher.“

„So ist davon auszugehen, dass Kinder, die nicht ihre Kindertagesbetreuung nutzen konnten sowie wenig Bewegungsmöglichkeiten im häuslichen Wohnumfeld haben, in besonderem Maße in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt waren.“

„Die Ergebnisse zeigen, dass im Zeitraum Januar bis Mai 2022 auch einige Kinder im Alter bis zum Schuleintritt bereits psychosomatische Symptome aufwiesen, die auf ein vermindertes Wohlbefinden hinweisen. Etwa 70 % der Eltern gaben an, dass ihr Kind in der letzten Woche mindestens einmal Reizbarkeit gezeigt hatte, 44 % berichteten über Einschlafprobleme, 32 % über Bauchschmerzen. Des Weiteren zeigten die Kinder Niedergeschlagenheit (25 %) oder Nervosität (21 %). Kopfschmerzen erlebten 11 % der Kinder. In Bezug auf die psychosomatischen Symptome der Reizbarkeit und Bauchschmerzen konnte in der KiBS-Elternbefragung für Kinder vor dem Schuleintritt bereits eine ähnlich hohe Betroffenheit in der Pandemiezeit festgestellt werden wie bei Kindern im Schulalter. Bei den übrigen Symptomen weisen Kinder im Schulalter höhere Werte auf. Während Einschlafprobleme eher bei jüngeren Kindern im Alter unter 3 Jahren beobachtet werden können, treten Symptome, wie Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit und Bauchschmerzen häufiger bei Kindern ab 4 Jahren auf, was ein Hinweis darauf sein kann, dass ältere Kinder mehr Schwierigkeiten bei der Bewältigung der Pandemiesituation hatten.“

Quellen:
(Abruf: 15.2.2024)
>> RKI, Corona-KiTa-Studie

HBSC-Studie

Zielsetzung:
Gesundheitsverhalten von Schulkindern (Health Behaviour in School-aged Children)
Von der WHO verantwortete Studie. Umfassende und fortlaufende Erhebung in 51 Ländern (Europa und Nordamerika) zu Gesundheitszustand, Lebenszufriedenheit und Lebensqualität, psychisches Wohlbefinden, körperliche Aktivität, Ernährung und Essverhalten, Schule und Unterricht, soziale Unterstützung in der Familie und im Freundeskreis, Unfälle, Mobbing und Risikoverhalten.

Durchführung:
Koordination der Studie in Deutschland: Institut für Medizinische Soziologie (IMS) in Halle (Saale) Institut für Medizinische Soziologie (IMS) Medizinische Fakultät Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; hbsc-germany.de
Insgesamt sechs Studienzentren in Deutschland beteiligt, u. a. UKE Hamburg (dort verantwortlich: Dr. Anne Kamann (a.kaman@uke.de); Dr. Franziska Reiß (f.reiss@uke.de))
Deutschland nimmt seit 1993 an der Studie teil (Hurrelmann, Bielefeld).
Veröffentlicht: letzte Erhebung 2020/2021, Veröffentlichung 06/2023 (WHO)

Relevante Ergebnisse (WHO-Veröffentlichung):
Anmerkung: Ich habe bisher nur allgemeine Veröffentlichungen der WHO gefunden, keine länderspezifischen Auswertungen. Für Deutschland sind Uni Halle und UKE Hamburg verantwortlich. Ich habe beide angeschrieben.

Negative Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche betrafen vorwiegend die psychische Gesundheit, das Bewegungsverhalten und die schulischen Leistungen. Kinder und Jugendliche aus niedrigen sozioökonomischen Schichten waren unverhältnismäßig öfter betroffen.
Jugendliche mit negativen schulischen Leistungen und familiären Problemen hatten deutlich häufiger auch psychische Gesundheitsprobleme, mangelndes psychisches Wohlbefinden und eine geringe Lebenszufriedenheit (soziale Ungleichheit).
Von negativen Auswirkungen auf Lebenszufriedenheit sowie psychische und physische Beschwerden berichteten mehr Mädchen und ältere Jugendliche (15-jährige).

Die WHO kommt zu dem Ergebnis, dass insbesondere für Kinder und Jugendliche aus gefährdeten Bevölkerungsgruppen ein dringender Bedarf an zusätzlicher Unterstützung besteht. Die WHO macht Interventionsempfehlungen an Bund, Länder und Kommunen. Insgesamt sei ein stützendes Umfeld für junge Menschen zu schaffen, das in der Lage sei überdauernde negative Pandemiefolgen auszugleichen.

Maßnahmen zur Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen
Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit von Sofortmaßnahmen und politischen Interventionen, die auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in Krisenzeiten zugeschnitten sind. WHO/Europa und die HBSC-Studie fordern Länder, Gemeinden und Schulverwaltungen auf, folgende Maßnahmen in Betracht zu ziehen:

  • Durchführung von Konzepten und Programmen zur Schaffung förderlicher Umfelder in Schulen und Familien und unter Gleichaltrigen mit dem Ziel, die psychische Gesundheit junger Menschen zu fördern und zu schützen. Dazu gehören die Schaffung sicherer Räume für offene Gespräche, die Bewusstseinsbildung für Belange der psychischen Gesundheit, die Umsetzung von Maßnahmen gegen Mobbing, die Schulung von Lehrern in emotionaler Unterstützung und die Förderung einer Kultur der Empathie und des Verständnisses;
  • Entwicklung maßgeschneiderter Programme zur Unterstützung der psychischen Gesundheit, die jugendgerecht sind und sowohl Alter als auch Geschlecht berücksichtigen. Dazu gehören u. U. die Schulung von Fachkräften im Psychiatriewesen in jugendspezifischen Fragen, die Gewährleistung der Rechte der Jugendlichen auf Privatsphäre und Vertraulichkeit und die Thematisierung geschlechtsspezifischer Barrieren beim Zugang zur Gesundheitsversorgung;
  • Anerkennung der entscheidenden Rolle von Familien und Gleichaltrigen bei der Bewältigung von Herausforderungen und bei der Aufrechterhaltung einer positiven Einstellung der Jugendlichen; 
  • Entwicklung von Programmen und Initiativen, die Eltern bei der Stärkung ihrer Beziehungen zu ihren Kindern unterstützen, in Anerkennung der entscheidenden Rolle der familiären Unterstützung in Krisenzeiten. Als Initiativen kommen Workshops zu effektiven Kommunikationsstrategien, Stressbewältigung, Konfliktlösungstechniken und Informationsmaterial über kindliche Entwicklung und psychische Gesundheit in Frage;
  • Ausstattung der Lehrkräfte mit den erforderlichen Schulungen und Ressourcen, um eine solide Unterstützung der Schüler zu gewährleisten und ein sicheres, inklusives Unterrichtsumfeld zu schaffen, selbst in Situationen, in denen sie räumlich entfernt sind oder aus der Ferne lernen;
  • Angebot zusätzlicher Unterstützung für Jugendliche aus weniger wohlhabenden Familien, da sie ein höheres Risiko tragen, in Gesundheitskrisen negative Folgen zu erleben.

Interessante Zitate:
„Die COVID-19-Pandemie hatte unverhältnismäßig negative Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche aus niedrigeren sozioökonomischen Schichten, insbesondere auf solche, die von langen Schulschließungen betroffen waren und denen die unentbehrlichen Unterstützungsstrukturen wie Familie und Lehrer fehlten. (…) Die Daten verdeutlichen auch, dass im Durchschnitt und bei verschiedenen Indikatoren ältere Schülerinnen die Auswirkungen der Pandemie stärker zu spüren bekamen als jüngere Jungen, was sich deutlich auf ihre psychische Gesundheit auswirkte. Diese Ungleichheit unterstreicht die Notwendigkeit gezielter Interventionen und Unterstützungssysteme, um die langfristigen Folgen für gefährdete Gruppen innerhalb unserer jugendlichen Bevölkerung abzumildern.“

„Diese negativen Auswirkungen der Pandemie betrafen vor allem die psychische Gesundheit, das Bewegungsverhalten und die schulischen Leistungen. Es wurden jedoch auch einige positive Ergebnisse beobachtet, insbesondere die Verbesserung der Beziehungen zu Familie und Freunden …“

„Alarmierenderweise berichteten Jugendliche aus weniger wohlhabenden Familien häufiger von negativen Auswirkungen der Pandemie auf ihr Leben, selbst wenn sie das gleiche Maß an sozialer Unterstützung erhielten wie ihre wohlhabenderen Mitschüler. Dies unterstreicht den dringenden Bedarf an zusätzlicher Unterstützung für gefährdete Bevölkerungsgruppen.“

„Bemerkenswert ist, dass Jugendliche, die über negative Auswirkungen auf ihre schulischen Leistungen und ihre Beziehungen zu Familie und Freunden berichteten, mit höherer Wahrscheinlichkeit psychische Gesundheitsprobleme und mangelndes seelisches Wohlbefinden aufwiesen, einschließlich einer geringen Lebenszufriedenheit und eines höheren Maßes an psychischen und physischen Beschwerden.“

„COVID-19 hat sich ungleich auf Kinder und Jugendliche ausgewirkt, vor allem auf solche aus benachteiligten Verhältnissen, deren Schulen lange Zeit geschlossen waren und denen es sowohl zu Hause als auch in der Schule an Unterstützung fehlte“, erklärte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Dr. Hans Henri P. Kluge.

„Dreißig Prozent der Jugendlichen gaben an, dass sich die COVID-19-Pandemie negativ auf ihre psychische Gesundheit ausgewirkt habe. Relativ mehr Jugendliche (37 %) hatten keine Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit, und 33 % berichteten von positiven Auswirkungen.“

„Mädchen und 15-Jährige berichteten eher über eine geringe Lebenszufriedenheit und ein hohes Maß an psychischen und körperlichen Beschwerden, die mit negativen Auswirkungen der Pandemie in Verbindung gebracht wurden.“

Quellen:
(Abruf: 15.2.2024)
>> WHO, Neue Daten von WHO und HBSC werfen ein Licht auf die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Kinder und Jugendliche (28.6.2023)
>> WHO, Age, gender and class: how the COVID-19 pandemic affected school-aged children in the WHO European Region Impact of the COVID-19 pandemic on young people’s health and well-being from the findings of the HBSC survey round 2021/2022 (30.6.2023)
>> WHO-Bericht HBSC-Studie, Coping through crisis: COVID-19 pandemic experiences and adolescent mental health and well-being in the WHO European Region: impact of the COVID-19 pandemic on young people’s health and well-being from the findings of the HBSC survey round 2021/2022 (30.6.2023)

Zusammenfassung der Ergebnisse der Interministeriellen Arbeitsgruppe (IMA)

Die interministerielle Arbeitsgruppe (BMFSFJ, BMG sowie Experten) hat in ihrem Bericht vom 8. Februar 2023 folgendes zu den Auswirkungen der Pandemie-Maßnahmen auf Kinder und Jugendliche festgehalten: „Die sozialen Einschränkungen der Pandemie hingegen belasten junge Menschen besonders stark – vor allem diejenigen, die bereits vor der Pandemie unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen sind.“

IMA: „Gesundheitliche Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche durch Corona“

Die interministerielle Arbeitsgruppe (BMFSFJ, BMG sowie Experten) hat in ihrem Bericht vom 8. Februar 2023 folgendes zu den Auswirkungen der Pandemie-Maßnahmen auf Kinder und Jugendliche festgehalten: „Die sozialen Einschränkungen der Pandemie hingegen belasten junge Menschen besonders stark – vor allem diejenigen, die bereits vor der Pandemie unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen sind.“

Um diesen steigenden Belastungen zu begegnen, wurden Aktivitäten zum Ausbau präventiver Angebote zur Förderung der Gesundheit von Heranwachsenden empfohlen (wie das Aktionsprogramm >> „AUF!leben – Zukunft ist jetzt“).

Die IMA identifizierte Handlungsansätze insbesondere für kurzfristig umsetzbare Maßnahmen in drei Handlungsfeldern. Dabei sollte insbesondere die Situation von Kindern und Jugendlichen in den nächsten Monaten in den Blick genommen werden.

Für die primäre Prävention und Gesundheitsförderung in den Lebenswelten Schule, Kindertageseinrichtungen, Kommune, Vereine und außerschulische Jugendbildung gab die IMA im Handlungsfeld 2 „Gemeinsam stark machen“ Kernempfehlungen sowie (u. a.) die nachfolgenden Empfehlungen für Maßnahmen:

  • Sport- und Bewegungsmöglichkeiten sowie Angebote der außerschulischen Bildung und Jugendarbeit sollten für alle Kinder und Jugendlichen auch unter den Bedingungen einer Pandemie zugänglich bleiben.
  • Präventive Angebote der Gesundheitsförderung sollten allen Kindern und Jugendlichen verstärkt zugänglich gemacht werden, um sie bei der Bewältigung der gesundheitlichen Belastungen durch die Pandemie zu unterstützen.
  • Kinder und Jugendliche, die bereits vor der Pandemie erhöhten gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt waren, haben unter den pandemiebedingten Einschränkungen in besonderer Weise gelitten und brauchen jetzt eine besonders umfängliche und gezielte Unterstützung.

Dazu soll die primäre Prävention und Gesundheitsförderung in den Lebenswelten Schule, Kindertageseinrichtung, Kommune, Vereine, außerschulische Jugendbildung besonders gefördert werden und primärpräventive Angebote für Kinder und Jugendliche vor Ort durch folgende Maßnahmen gestärkt werden:

  • Verbindliche Netzwerkarbeit,
  • Ausbau der primärpräventiven Angebote für Kinder und Jugendliche vor Ort,
  • Zielgruppenorientierte Information über Angebote,
  • Sport- und Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche wiederbeleben und außerschulische Bildungs- und Freizeitangebote stärken,
  • Außerschulische Bildungs- und Freizeitangebote sowie Programme und Infrastrukturen nutzen und stärken.

Die IMA zieht folgendes Fazit: „Neben verlässlichen Regelsystemen brauchen besonders belastete Kinder und Jugendliche und ihre Familien gezielte Unterstützung, um auch in Zeiten einer Pandemie gesund aufwachsen zu können. Die Angebote müssen niedrigschwellig und lebensweltorientiert sein und setzen verbindliche Kooperationsstrukturen zwischen den relevanten Akteuren und Institutionen vor Ort voraus.“

Im IMA-Bericht und den darin empfohlenen Maßnahmen werden die Handlungsfelder „Kinder- und Jugendhilfe“ sowie „Offene Kinder- und Jugendarbeit“ leider nur sehr marginal behandelt. In diesen Handlungsfeldern werden fast ausschließlich die sozial und finanziell schlechter gestellten Kinder und Jugendlichen erreicht.

Zu betonen ist, dass diese Klientel durch die Corona-Maßnahmen am stärksten gelitten hat (weil an sie gerichtete Angebot ersatzlos weggefallen sind und andere Unterstützung (z. B. Eltern) oft defizitär war) und sie den größten Aufholbedarf haben. Deshalb erscheint es umso dringlicher, im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Kinder- und Jugendhilfe verlässliche Angebote wieder zu etablieren und entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen für Betreuungskräfte umgehend anzubieten.
Zusammenfassung: Reinhard Mann, Februar 2024
Klinischer Psychologe, Qualitätssicherung und Gesundheitsmanagement
Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Kinder- und Jugendgesundheit e. V.

Vollständiger IMA-Text:
>> BMFSFJ & BMG, Interministerielle Arbeitsgruppe „Gesundheitliche Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche durch Corona“ Abschlussbericht (8.2.2023)
(Abruf: 15.2.2024)