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DIE FACHLICHEN UND METHODISCHEN GRUNDLAGEN VON GUT DRAUF

Der EBS-Ansatz: ERNÄHRUNG, BEWEGUNG, STRESSREGULATION

Eine ausgewogene Ernährung, ausreichende Bewegung und ein bewusster Umgang mit Stress (EBS-Ansatz) können dazu beitragen, das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen zu stärken und vor lebensstilbedingten Gesundheitsproblemen – auch im späteren Alter – zu schützen.

Der EBS-Ansatz

Gemäß Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Gesundheit ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.

Daher legt die Kinder- und Jugendaktion GUT DRAUF bewusst ihren Schwerpunkt auf die Gesundheitsförderung, um so möglichst früh die Voraussetzungen für eine gesunde Lebensweise zu stärken.

GUT DRAUF steht für ein ganzheitliches Verständnis, bei dem entscheidende Weichen für die Stärkung gesundheitsförderlicher Lebenskompetenzen bereits im Kindes- und Jugendalter gestellt werden. Persönliche und soziale Lebenskompetenzen sind für ein allgemeines Wohlergeben und für eine höhere Widerstandskraft gegenüber gesundheitlichen Belastungen und Anforderungen wichtig. Lebenskompetenzen können helfen, mit negativen Lebensbedingungen selbstwirksam umzugehen bzw. diese positiv zu beeinflussen.

GUT DRAUF ist eine ganzheitliche, ressourcenorientierte Aktion, die die Kompetenz und Eigenverantwortung von jungen Menschen stärken will. Die Programme und Bausteine orientieren sich an den Lebenswelten Heranwachsender, um eine nachhaltige Integration gesundheitsfördernder Lebensweisen in den Alltag von Kindern und Jugendlichen zu erreichen. Dabei setzt GUT DRAUF konsequent auf die Schaffung gesundheitsförderlicher Strukturen, um eine gesunde Lebensweise für die Heranwachsenden zu ermöglichen. Als erlebnisorientierter Ansatz verbindet GUT DRAUF Gesundheitsförderung mit Spaß und Freude und ermöglicht, in Gemeinschaft mit anderen etwas Neues auszuprobieren.

Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung liefert ausreichend Nährstoffe und Energie für Alltag, Freizeit und Sport. Gerade in der Wachstumsphase kommt ihr eine besondere Bedeutung zu. Gleichzeitig werden vom frühen Kindesalter an spätere Ernährungsgewohnheiten wesentlich geprägt.

Essen ist jedoch mehr als eine ausgewogene Ernährung: Die sozialen Aspekte einer Mahlzeit in Gemeinschaft (Familie, Freundeskreis, Kita, Schule, Freizeiteinrichtung, Kantine) festigen bereits im Kindes- und Jugendalter ein gleichermaßen genussvolles wie bewusstes Essverhalten.

GUT DRAUF sensibilisiert einerseits die Einrichtungen für ausgewogene und attraktive Ernährungsangebote und macht andererseits den Kindern und Jugendlichen eine ausgewogene Ernährung schmackhaft. Insbesondere durch positives und bewusstes Erleben mithilfe genussbetonter Aktionen und Essensfesten wird Ernährung zu einem attraktiven Event.

GUT DRAUF to go – Ernährungs-Ideen mitnehmen und ausprobieren

Bewegung

Ein aktiver Lebensstil ist auch im Kindes- und Jugendalter eine wertvolle Gesundheitsressource und trägt zum körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefinden bei. Wenn Kinder und Jugendliche die positive Wirkung körperlicher Aktivität erfahren, sind sie gut darauf vorbereitet, auch als Erwachsene einen aktiven Lebensstil zu pflegen und so ihre Gesundheit dauerhaft zu stärken.

GUT DRAUF-Aktionen fördern daher die Motorik und Körperwahrnehmung von Kindern und Jugendlichen. Dafür geeignete Bewegungs- und Sportangebote tragen zu einer realistischen Selbstwahrnehmung und verbesserten Selbstwirksamkeit bei, indem eigene Bedürfnisse, Fähigkeiten und Grenzen erfahrbar sind. GUT DRAUF setzt auch hierbei auf die Schaffung bewegungsfreundlicher Strukturen in den Settings.

Das GUT DRAUF-Konzept vermittelt, dass Bewegung mehr als Sport ist. Für die Heranwachsenden steht auch hier das bewusste und positive Erleben im Vordergrund. Junge Menschen lernen spielerisch und mit Spaß den selbstverantwortlichen und gesundheitsbewussten Umgang mit dem eigenen Körper.

GUT DRAUF to go – Bewegungs-Ideen mitnehmen und ausprobieren

Stressregulation

Stress ist zunächst eine angeborene, natürliche Reaktion auf eine neue und/oder bedrohliche Situation.

Leichter Stress erhöht die Wachsamkeit des gesamten Organismus und ist notwendig, um optimale Leistungen zu erbringen. Negativer Stress entsteht, wenn ein Ungleichgewicht herrscht zwischen einer Anforderung und der Fähigkeit, mit dieser Situation umzugehen bzw. den Stress zu regulieren. Lang anhaltender, starker Stress erhöht die Wahrscheinlichkeit von psychischen und körperlichen Gesundheitsbeeinträchtigungen.

Mit GUT DRAUF lernen Kinder und Jugendliche, positiven Stress zu genießen (zum Beispiel im Flow-Erleben) und negativen Stress zu regulieren, in dem sie unter anderem ihre Widerstandsressourcen stärken (zum Beispiel mit Musik, Tanz, Theater, bildnerischem Gestalten, Fantasiereisen, Meditation, Spielen, Bewegung, Kochevents und Essensfesten). Dabei geht es unter anderem darum, die Begabungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder und Jugendlichen ohne Druck oder Zwang zu fördern und sie positiv erfahren zu lassen, dass Stress sehr individuell ist und daher auch individuelle Strategien (Stressregulation) erfordert.

GUT DRAUF-Einrichtungen vermitteln diesen Umgang mit Stress, bieten Rückzugsräume für die Jugendlichen und leben einen positiven Umgang mit Stress und Bewältigungsmöglichkeiten vor. Auf diese Weise werden auch hier Strukturen geschaffen, die es den Heranwachsenden ermöglichen, anders mit Stress umzugehen.

GUT DRAUF to go – Ideen zur Stressregulation mitnehmen und ausprobieren

KINDER- UND JUGENDGESUNDHEIT

Bei der Einschätzung und Bewertung der gesundheitlichen Lage junger Menschen stützt sich GUT DRAUF auf die Kinder- und Jugendgesundheitsstudie KiGGS. Trotz einer insgesamt erfreulichen Gesundheitseinschätzung zeigt KiGGS, dass das körperliche und psychische Wohlbefinden sowie die generell wahrgenommene gesundheitsbezogene Lebensqualität im Jugendalter abnehmen.

Kinder- und Jugendgesundheit

Die meisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland schätzen selbst (oder die Eltern) ihre Gesundheit als gut oder sehr gut ein. Gesundheit umfasst dabei das körperliche, emotionale, mentale und soziale Wohlbefinden, verhaltensbezogene Komponenten und die eigene Funktionstüchtigkeit.

Gesundheitsbezogene Lebensqualität nimmt im Jugendalter ab

Zu einer ähnlich positiven Bewertung kommt auch die Langzeituntersuchung zur Kinder- und Jugendgesundheitsstudie KiGGS des Robert Koch-Instituts (RKI), an der in der Basiserhebung (2006) fast 18 000 Kinder und Jugendliche zwischen 0 bis 17 Jahren und deren Eltern teilnahmen. Diese Ergebnisse konnten in der ersten (2012) und zweiten Folgeuntersuchung (2018) weitgehend bestätigt werden.

KiGGS zeigt aber auch: Körperliches und psychisches Wohlbefinden sowie die generell wahrgenommene gesundheitsbezogene Lebensqualität nehmen im Jugendalter, insbesondere bei Mädchen, ab. Allgemein nehmen in dieser Lebensphase Stress, Inaktivität, Übergewicht und ein gestörtes Essverhalten zu.

Hinzu kommt, dass sich mit zunehmendem Alter, niedrigem sozialen Status und Migrationshintergrund nicht nur die subjektive Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen, sondern auch das Gesundheitsverhalten verschlechtert.

Das GUT DRAUF-Konzept

Gesundheitsprobleme lassen sich kaum auf einen einzigen Einflussfaktor zurückführen, sondern entstehen vielmehr in einem Netz von Wirkungszuammenhängen. So kann zum Beispiel Stress zu Fehl- und Überernährung, zu Bewegungsmangel und Übergewicht führen. Je nach Ausmaß erzeugt Übergewicht psychosozialen Stress und Bewegungsunlust. Frustessen oder extremes Diäten erzeugen wiederum neuen Stress und unter Umständen ein langfristig gestörtes Essverhalten. Dabei spielen neben dem individuellen Verhalten vor allem die Umgebungsfaktoren eine zentrale Rolle, da sie das individuelle Verhalten maßgeblich beeinflussen.

GUT DRAUF ist ganzheitlich
GUT DRAUF verfolgt einen integrierten Ansatz: Gesundheitsrelevante und sich beeinflussende Faktoren wie Ernährung, Bewegung und Stress werden unter Berücksichtigung der jeweiligen Alters- und Zielgruppe aufgegriffen und miteinander verknüpft. Dabei wendet sich GUT DRAUF nicht einfach direkt an die Jugendlichen, sondern ist darauf ausgerichtet, die Umgebungsbedingungen für die Heranwachsenden in den Settings mithilfe eines Organisationsentwicklungsprozesses zu verbessern.

GUT DRAUF ist nachhaltig
Mit GUT DRAUF werden gesundheitliche Ressourcen gestärkt, Schutzfaktoren aufgebaut und ein die Gesundheit fördernder Lebensstil unterstützt. Die gesundheitsförderliche Gestaltung der Lebenswelten Heranwachsender steht dabei im Fokus, damit die Umsetzung in den Alltag dauerhaft gelingt.

GUT DRAUF ist lebensnah
GUT DRAUF setzt dabei gezielt in den Lebenswelten von Mädchen und Jungen an: in Schulen, bei Sportanbietern, in Kinder- und Jugendeinrichtungen, bei Jugendreisen oder in der beruflichen Qualifizierung. Die Angebote sind bewusst an den Bedürfnissen Heranwachsender nach Spaß, Erlebnis, Abenteuer und Gemeinschaft und den Bedarfen der Einrichtungen orientiert.

GUT DRAUF ist fair
Mit GUT DRAUF sollen alle Kinder und Jugendlichen die gleichen Chancen für eine gesunde Entwicklung haben. Das Erlernen eines gesunden Lebensstils in jungen Jahren ist eine wichtige Ressource für gesundes Verhalten und bessere Lebensqualität im Erwachsenenalter.

Mentale Gesundheit von Kindern & Jugendlichen

Die Corona-Pandemie selbst und die Maßnahmen wie Lockdowns, Kontakteinschränkungen und Kita- und Schulschließungen haben sich negativ auf die psychische Gesundheit und die allgemeine Lebenszufriedenheit von Kindern & Jugendlichen ausgewirkt. Deshalb will GUT DRAUF mit dem neuen Schwerpunkt „Mentale Gesundheit von Kindern & Jugendlichen“ psychischen Erkrankungen im Jugendalter entgegenwirken und junge Menschen fit für die Zukunft machen.

MENTALE GESUNDHEIT VON KINDERN UND JUGENDLICHEN STÄRKEN

Aufbauend auf dem bewährten GUT DRAUF-Programm, das seit über 30 Jahren einen gesunden Lebensstil von Kindern & Jugendlichen über die Säulen Ernährung, Bewegung & Stressregulation stärkt, werden im Rahmen dieses Schwerpunktes neue Impulse & Methoden vorgestellt, um die junge Generation mental & körperlich fit für die Zukunft zu machen. Gemeinsam mit den pädagogischen Fachkräften wird das positive Erleben von pädagogischen Einrichtungen als Orte der Unterstützung, Bildung und Gemeinschaft gestärkt und den Mitarbeiter:innen die nötige Sicherheit im Umgang mit den Herausforderungen psychisch belasteter Kinder & Jugendlicher gegeben.

Aus den Ergebnissen aktueller Studien (vgl. Kindergesundheitsbericht 2023; siehe auch unten) wissen wir, dass sich die Corona-Krise negativ auf die psychische Gesundheit und die allgemeine Lebenszufriedenheit von Kindern & Jugendlichen ausgewirkt hat. Mangelnde soziale Interaktion und fehlende Sport- und Freizeitmöglichkeiten sind unübersehbare Merkmale der aktuellen Herausforderung, aber auch Unsicherheiten durch den Ukrainekrieg, die Energie- und Klimakrise führen zu messbaren Belastungen. Die Folge sind steigende Zahlen der häufigsten psychischen Erkrankungen im Jugendalter wie depressive Störungen, Essstörungen, Angst- und Zwangsstörungen sowie psychotische und Suchterkrankungen.

Ein Fachtag zum Thema „Mentale Gesundheit“ am 27. Mai 2024 in Köln möchte pädagogische Fachkräfte dabei unterstützen, Räume zu schaffen, die es ermöglichen, die psychische Gesundheit positiv zu beeinflussen und einer Chronifizierung mentaler Probleme vorzubeugen. Dabei wird die eigene Kompetenz des Fachpersonals im Umgang mit belasteten Kindern & Jugendlichen in den Vordergrund gestellt.

  • Welche Potenziale bieten präventive Maßnahmen in pädagogischen Einrichtungen?

  • Welche Impulse & Methoden bietet die Aktion GUT DRAUF im Bereich mentaler Gesundheit und wie kann ich diese spielerisch in den Alltag meiner Einrichtung integrieren?

  • Wie kann die Gesundheitskompetenz der Zielgruppe durch Partizipation und Selbstwirksamkeit gestärkt werden?

  • Wie reagiere ich sicher im Umgang mit belasteten Kindern & Jugendlichen und wie erkenne ich mögliche Herausforderungen?

  • Wie & wo finde ich Unterstützung in Krisensituationen?

Weitere Infos zum Fachtag „Mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ am 27. Mai 2024.

HINTERGRUND

transfer e. V. hat in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Kinder- und Jugendgesundheit (DIKJ) die einschlägigen Studien zu den Pandemiefolgen bei Kindern und Jugendlichen ausgewertet. Darüber hinaus werden auch die bislang ergriffenen staatlichen Maßnahmen vorgestellt.

Studienergebnisse: Pandemiefolgen bei Kindern und Jugendlichen
Eine Übersicht relevanter Studienergebnisse zu den Folgen, die die Pandemie bzw. die Pandemiemaßnahmen auf das psychische und psychische Befinden von Kindern und Jugendlichen in Deutschland hatte und noch hat.

Corona-Folgen bei Kindern und Jugendlichen, Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen – ausgewählte Studien
Zusammenfassungen relevanter Studien (es werden nur die Ergebnisse, die im Rahmen dieses Themenkreises von Bedeutung sind, dargestellt).

Ergebnisse der Interministeriellen Arbeitsgruppe (IMA):
„Gesundheitliche Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche durch Corona“
Die interministerielle Arbeitsgruppe (BMFSFJ, BMG sowie Experten) hat in ihrem Bericht vom 8. Februar 2023 folgendes zu den Auswirkungen der Pandemie-Maßnahmen auf Kinder und Jugendliche festgehalten: „Die sozialen Einschränkungen der Pandemie hingegen belasten junge Menschen besonders stark – vor allem diejenigen, die bereits vor der Pandemie unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen sind.“

Die Programme und Maßnahmen der Bundesregierung
Aufgerüttelt durch Berichte betreuender Fachkräfte sowie erste wissenschaftliche Studien über das Ausmaß gesundheitlicher Beeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen nach Ende der Pandemie-Maßnahmen hat die Bundesregierung Gelder zur Verfügung gestellt, um die Beeinträchtigungen auszugleichen oder abzumildern.

Salutogenese

Der amerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky entwickelte das Modell der Salutogenese. Darunter versteht er dynamische Prozesse, die zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit führen.

SALUTOGENESE

Antonovsky sieht eine zentrale Aufgabe des Organismus darin, Stress zu bewältigen. Die Bewältigung hat motivierende, gesunderhaltende und sogar gesundheitsstärkende Wirkung („positiver“ Stress oder Eustress).

Ressourcen für die Gesundheitserhaltung

Antonovsky forschte nach Einflussfaktoren, die eine erfolgreiche Bewältigung der Anforderungen des Lebens erleichtern und die Gesundheit erhalten und verbessern. Nach seinen Erkenntnissen sind es vor allem personale, familiäre und soziale Ressourcen, die die Widerstandskräfte eines Menschen stärken.

  • Zu personalen Ressourcen zählen zum Beispiel Optimismus und Selbstwirksamkeitserwartung. Optimismus beschreibt die generelle Zuversicht, dass sich die Dinge positiv entwickeln. Selbstwirksamkeitserwartung meint die Überzeugung, über notwendige Kompetenzen zu verfügen, um mit verschiedenen Anforderungen umgehen zu können.

  • Zu familiäre Ressourcen zählen beispielsweise familiärer Zusammenhalt und Erziehung der Eltern bzw. eines Elternteils.

  • Zu soziale Ressourcen gehören schließlich etwa soziale Unterstützung von Gleichaltrigen und Erwachsenen.

Das Kohärenzgefühl – Geheimnis der Gesundheit

Positive Erfahrungen durch gelungene Bewältigung stärken das Selbstvertrauen und führen zu einer Stärkung der Widerstandsressourcen. Antonovsky nennt die aus den Erfahrungen gewonnene innere Haltung Kohärenzgefühl. Das Kohärenzgefühl ist Maß für ein Gefühl des Vertrauens und wird durch die Merkmale Sinnhaftigkeit, Verstehbarkeit und Handhabbarkeit bestimmt.

  • Sinnhaftigkeit: Ich verstehe den Sinn der belastenden Situation und weiß, warum etwas passiert.

  • Verstehbarkeit: Ich durchschaue die Situation und weiß, was passiert.

  • Handhabbarkeit: Ich kann mit der Belastung umgehen und weiß, was konkret zu tun ist.

Das Kohärenzgefühl beschreibt nach Antonovsky das „Geheimnis der Gesundheit“. Es unterstützt die Bewältigung selbst schwerer Belastungen und schützt den Menschen vor gesundheitsschädlichen Auswirkungen.

Antonovsky sieht das Kohärenzgefühl als eine Gesundheitsressource an, die vor allem im Kindes- und Jugendalter erworben wird.

Mehr zu Resilienz und Schutzfaktoren

Mehr zur Salutogenese

 

Gesundheitsförderungskultur

Der Settingansatz bietet neben dem niedrigschwelligen Zugang zu Heranwachsenden insbesondere die Chance, die Verhältnisse für einen gesundheitsförderlichen Lebensstil in den Lebenswelten Heranwachsender zu schaffen. Daher erfordert verhältnisbezogene Gesundheitsförderung einen Organisationsentwicklungsprozess, der zu einer dauerhaften Verbesserung der Verhältnisse in der Alltagswelt sowohl der Kinder und Jugendlichen als auch der Fachkräfte in den Einrichtungen führt, die sich in gelebten Werten, Normen einem guten Klima widerspiegelt – kurz: In einer Gesundheitsförderungskultur (Quilling & Kruse, 2019)

Gesundheitsförderungskultur

Der Settingansatz geht davon aus, dass Gesundheit im Alltag der Menschen entsteht und somit eben dort beeinflusst werden muss. Dementsprechend sollen Verhältnisse für die Ermöglichung eines gesundheitsförderlichen Lebensstils geschaffen werden. Gesundheit entwickelt sich in der Person-Umwelt-Interaktion (Elkeles 2005). Daher müssen die Lebenswelten von Heranwachsenden so beschaffen sein, dass sie einen gesundheitsförderlichen Lebensstil ermöglichen (Engelmann & Halkow 2008). Dies erfordert in den Einrichtungen einen Organisationsentwicklungsprozess, der sich langfristig sowohl auf die Einstellung als auch auf das Verhalten auswirken soll und sich in einer entstandenen Gesundheitsförderungskultur zeigen kann (Quilling & Kruse, 2019).

Gesundheitsförderungskultur ist ein komplexes Konstrukt, das auf verschiedenen Ebenen wirksam werden kann. Es setzt sich aus Erwartungen, Werten und Kommunikation zur Gesundheit und Gesundheitsförderung der Settingmitglieder sowie aus gesundheitsbezogenen Normen und Praktiken in den Einrichtungen zusammen (Quilling & Kruse, 2019). Dies kann wiederum zu gesundheitsbezogenen Einstellungsänderungen und zu einem gesundheitsförderlichen Verhalten der Settingmitglieder führen (Quilling & Kruse, 2019; Ostrof et al., 2003). Die langfristige Umsetzung eines ganzheitlichen Ansatzes zur Gesundheitsförderung wie mit GUT DRAUF sollte daher die Kultur, das Klima und die gesundheitsbezogene Identität und somit die Gesundheitsförderungskultur in einer Einrichtung beeinflussen (Quilling & Kruse, 2019; Quilling et al., 2018).

Daher nimmt GUT DRAUF nicht nur das Verhalten der Heranwachsenden in den Blick, sondern hat insbesondere das Ziel, eine Gesundheitsförderungskultur in den beteiligten Einrichtungen zu schaffen.

Zielgruppen – Kinder und Jugendliche altersgerecht einbinden

GUT DRAUF holt die Kinder und Jugendlichen da ab, wo sie täglich oder oft anzutreffen sind: in Schulen, bei der beruflichen Qualifizierung, bei Sportvereinen, in Jugendeinrichtungen und Jugendunterkünften bzw. auf Jugendreisen. Die Angebote sind bewusst an den Bedürfnissen Heranwachsender nach Spaß, Erlebnis, Abenteuer und Gemeinschaft orientiert.

KINDER UND JUGENDLICHE ALTERSGERECHT EINBINDEN

Wer junge Menschen für gesundheitsförderliche Verhaltensweisen gewinnen will, sollte altersbedingte Besonderheiten beachten und einen Methodenmix anbieten.

GUT DRAUF rückt hierzu vier methodische Prinzipien in den Mittelpunkt:

  1. Partizipation: Kinder und Jugendliche werden altersgerecht an der Planung und Umsetzung von Maßnahmen und Angeboten beteiligt, um ein Maximum an Partizipation zu ermöglichen. Damit erhöht sich die Identifikation der Heranwachsenden, und Erfahrungen der Selbstwirksamkeit werden möglich.

  2. Kinder und Jugendliche können bei GUT DRAUF erleben und spüren, was ihnen gut tut und werden dadurch auch dafür sensibilisiert, was ihnen langfristig eher schadet.

  3. Erlebensangebote für Kinder und Jugendliche werden in einer Weise inszeniert, dass Hemmungen genommen und neue positive Erfahrungen ermöglicht werden.

  4. Dabei werden aktuelle Trends und Jugendkulturen aufgegriffen und so mit Angeboten verknüpft, dass sich junge Menschen unmittelbar angesprochen fühlen.

Gesundheit von Mitarbeiter:innen

GUT DRAUF nimmt die Gesundheit von Mitarbeiter:innen in pädagogischen Einrichtungen, die eine wirksame Gesundheitsförderungskultur als Grundlage ihrer Arbeit aufbauen möchten, stärker in den Blick. Neue GUT DRAUF-Qualifizierungsangebote haben zum Ziel, dass die Gesundheit der Mitarbeiter:innen selbstverständlicher Bestandteil ihrer Arbeit werden kann.

Mehr Mitarbeiter:innen-Gesundheit durch GUT DRAUF

Mitarbeiter:innen in GUT DRAUF-Einrichtungen sind darin sensibilisiert und geschult, gesundheitsfördernde Angebote und Strukturen für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Gleichzeitig sind sie in ihren Einrichtungen enorm gefordert: Sie tragen für ihre Klientel große Verantwortung, müssen zugleich hohes Engagement zeigen und haben dabei mitunter tiefe Einblicke in schwierige Lebensumstände und Schicksale. Diese pädagogische Arbeit ist herausfordernd und macht die Fachkräfte nicht selten krank. Die Gesundheit von Mitarbeiter:innen darf daher in pädagogischen Einrichtungen, die eine wirksame Gesundheitsförderungskultur als Grundlage ihrer Arbeit aufbauen möchten, nicht am Rand stehen!

Mit dem Blick auf die Mitarbeiter:innen-Gesundheit erhält konsequenter Weise ein neues Thema Einzug in die Qualifizierungsangebote von GUT DRAUF, das nicht nur von Fachkräften nachgefragt, sondern auch von Krankenkassen und Einrichtungen im Rahmen betrieblicher Gesundheitsförderung unterstützt wird.

transfer e. V., der Träger von GUT DRAUF, wird im Rahmen einer nachhaltigen Gesundheitsförderung Fachtage anbieten, die explizit diese Thematik aufgreifen. Ziel ist es, dass die Fachkräfte im Anschluss an diese Qualifizierung eigenständig Aspekte ihrer eigenen Gesundheit in ihren Arbeitsalltag einbinden können und Gesundheitsförderung gemeinsam mit Kolleg:innen selbstverständlicher Bestandteil ihrer Arbeit wird.

GUT DRAUF TO GO – IDEEN MITNEHMEN UND AUSPROBIEREN!

sich bewegen macht spaß
Bewegung

Alle stehen an der Startlinie. Die Spielleitung wartet mit einer Stoppuhr am „Schneckenhaus“ (ein großer Pappkarton, 3 bis 4 m vom Start entfernt). Auf Los! „eilen“ die „Schnecken“ im Schneckentempo zum Ziel. Wer schafft es, in möglichst genau 1 Minute im Schneckenhaus anzukommen?

AUSFÜHRLICHE BESCHREIBUNG

iss was gutes
Ernährung

Gesunde TV-Snacks
An Gammel- oder Chill-Out-Tagen kann man sich natürlich mit ungesundem Zeug vollstopfen: Chips, Schoki & Co. Oder man schenkt seinem Körper etwas Gutes. Für solche Couch-Tage haben wir für dich ein paar gesunde Snacks zusammengetragen.

mit Stress umgehen
Stressregulation

Gift für die Seele: Vorurteile
Na, hast du dich gerade dabei erwischt? Oder fühlst du dich selbst manchmal von anderen vorverurteilt?