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DAS EBS-Konzept: Ernährung, Bewegung, Stressregulation

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Laut Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Gesundheit ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit und Gebrechen. Bei der Arbeit der BZgA stehen deshalb Gesundheitsförderung und Prävention im Vordergrund.

Die theoretische Grundlage für die praktische Umsetzung in der Jugendaktion GUT DRAUF liefert das EBS-Konzept mit seinen drei Säulen. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichende Bewegung und ein bewusster Umgang mit Stress (EBS) können ein wirksames Schutzschild vor ernährungsbedingten Krankheiten sein. 

Lebenskompetenzen und Lebensbedingungen

Das EBS-Konzept ist ein ganzheitlicher Ansatz, bei dem entscheidende Weichen für gesundheitsförderliche Verhaltensweisen bereits im Kindes- und Jugendalter gestellt werden. Persönliche Lebenskompetenzen sollen früh gestärkt und die äußeren Lebensbedingungen verbessert werden. Je stärker Lebenskompetenzen ausgeprägt sind und je höher die Widerstandskraft gegenüber Belastungen und Anforderungen ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht zu Störungen und Krankheiten kommt. 
Auch positive oder negative Lebensbedingungen beeinflussen das Gesundheitsverhalten. Lebenskompetenzen können helfen, mit negativen Lebensbedingungen umzugehen bzw. diese positiv zu beeinflussen.

GUT DRAUF ist ein ganzheitliches, problem- und ressourcenorientiertes Programm, das die Kompetenz und Eigenverantwortung Jugendlicher stärkt. Die Aktionen orientieren sich an den Lebenswelten Heranwachsender, um eine nachhaltige Integration gesundheitsfördernder Verhaltensweisen in den Alltag der Jugendlichen zu erreichen.
 GUT DRAUF verfolgt dabei einen erlebnisorientierten Ansatz und setzt auf Spaß, Freude, Gemeinschaft und Ausprobieren.

Ernährung und Gesundheitsförderung

Eine ausgewogene Ernährung liefert Nährstoffe und Energie für Alltag, Freizeit und Sport. Gerade in der Wachstumsphase kommt ihr eine besondere Bedeutung zu: Der Organismus hat nur eine geringe Toleranz gegenüber Mangelsituationen, gleichzeitig werden vom frühen Kindesalter an spätere Ernährungsgewohnheiten wesentlich geprägt.

GUT DRAUF macht Jugendlichen eine gesunde Ernährung schmackhaft: durch die Verknüpfung mit attraktiven Themen (zum Beispiel Schönheit, Fitness, Sport,  Abenteuer, Geschichte, Tier-, Natur- und Umweltschutz sowie nachhaltige, alternative Ernährungsformen) und durch lustbetonte Aktionen und Essensfeste in angenehmer Atmosphäre. In Aktionen werden Essstörungen, Schlankheitsideale, Diäten und Körpergewicht kritisch thematisiert. Lustvolles Essen, bessere Körperwahrnehmung und Selbstbewusstsein werden trainiert.

Neben der physiologischen Bedeutung hat Ernährung auch eine psychologische, denn Essen ist viel mehr als die reine Aufnahme von Nährstoffen: Die sozialen Aspekte einer Mahlzeit in Gemeinschaft (Familie, Freundeskreis, Kita, Schule, Kantine) festigen bereits im Kindes- und Jugendalter ein positives Essverhalten. Auf keinen Fall sollte Essen als Zwang ausgeübt werden und nur in Ausnahmefällen Trost spenden oder als Ablenkung von negativen Erlebnissen und Gefühlen dienen.

GUT DRAUF setzt gemeinsame Mahlzeiten in Szene und macht sie zu einem kulinarischen, sinnlichen, genussvollen und attraktiven Event. GUT DRAUF informiert in Schulkochkursen über Herkunft, Zusammensetzung und Zubereitung von Lebensmitteln. Jugendliche lernen auch  Lebensmittelwerbung, Qualität und Funktion von Convenience-, Fast- und Novelfood realistisch einzuschätzen.

Bewegung und Gesundheitsförderung

Ein aktiver Lebensstil ist - insbesondere im Kindes- und Jugendalter - eine wertvolle Gesundheitsressource und trägt zum körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefinden bei. Sowohl in der Prävention als auch in der Gesundheitsförderung spielt ausreichende Bewegung eine wichtige Rolle. Sie kräftigt Herz und Lunge, Muskeln und Gelenke, stärkt die Abwehrkräfte und reguliert Stoffwechsel, Appetit und Gewicht. Die gezielte Förderung eines aktiven Lebensstils kann helfen, die Entstehung von Krankheiten und Beschwerden (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Mellitus Typ 2, Darmkrebs, Osteoporose, Rückenschmerzen) zu verhindern.

GUT DRAUF-Aktionen in Schulen, Jugendeinrichtungen, Vereinen und Betrieben sollen die Motorik der Jugendlichen wahrnehmungsorientiert, „spielend“ und spaßbetont fördern. In einer GUT DRAUF-Schule sitzen die Schülerinnen und Schüler im Unterricht mal auf ergonomisch geformten Stühlen mit Wippmechanismus, mal arbeiten sie an Stehtischen auf Rollen oder im Liegen auf Matten. Auf dem Schulhof laden Stangen und Felsen zum Klettern und Balancieren ein. GUT DRAUF-Sportvereine bieten auch Trendsportarten an, freie Platz- und Hallenzeiten für unorganisierten Sport und offene, niederschwellige Angebote für Nicht-Vereinsmitglieder.

Die Weichen für einen bewegungsaktiven Lebensstil werden in der Kindheit gestellt. Kinder und Jugendliche, welche die positive Wirkung körperlicher Aktivität erfahren, werden eher einen aktiven Lebensstil als Erwachsene entwickeln und somit ihre Gesundheit stärken. Bewegung und Sport helfen auch bei einer realistischen Selbstwahrnehmung, d.h. den eigenen Körper besser kennenzulernen und seine Bedürfnisse, Fähigkeiten und Grenzen zu akzeptieren.

Das GUT DRAUF Konzept vermittelt, Bewegung ist mehr als Sport. Jugendliche lernen spielerisch und mit Spaß den kompetenten, selbstverantwortlichen und gesundheitsbewussten Umgang mit dem eigenen Körper. Dabei ist es auch wichtig, positive und negative Gefühle zuzulassen. Übungen dazu sind beispielsweise Körpersprachspiele wie Scharaden (pantomimische Darstellung von Gefühlen). Actionorientierte Bewegungsangebote mit Grenzerfahrungen (z. B. Klettern) eignen sich gut zum „Auspowern“ bei Aggressionen oder Wut. Bei psychosozialem Stress und Müdigkeit bieten wahrnehmungsorientierte Bewegungseinheiten oder Relax-Ecken Entspannung an.

Stress und Gesundheitsförderung

Immer mehr Kinder und Jugendliche klagen über Stress. Er ist eine angeborene, natürliche Reaktion auf eine neue und/oder bedrohliche Situation. 

Leichter Stress erhöht die Wachsamkeit des gesamten Organismus und ist notwendig, um optimale Leistungen zu erbringen. Lang anhaltender, starker Stress hingegen bewirkt das Gegenteil: Er erhöht die Wahrscheinlichkeit von psychischen und körperlichen Erkrankungen.

Mit GUT DRAUF lernen Jugendliche, positiven Stress zu genießen (z. B. im Flow-Erleben) und negativen Stress zu regulieren (z. B. mit Musik, Tanz, Theater, bildnerischem Gestalten, Fantasiereisen, Meditation, Spielen, Bewegung, Kochevents und Essensfesten).

Stress entsteht, wenn ein Ungleichgewicht herrscht zwischen einer Anforderung und der Fähigkeit, mit dieser Situation umzugehen bzw. den Stress zu regulieren. Im Falle langanhaltender Stressbelastung kann es neben psychischen Erkrankungen auch zu Bluthochdruck, Arteriosklerose, Angina Pectoris, Herzinfarkt, Störungen des Verdauungssystems, Diabetes oder Asthma kommen. Folgen können auch Essstörungen, Suchtverhalten oder andere gesundheitsriskante Verhaltensweisen sein.

Mit GUT DRAUF lernen Jugendliche ihre Widerstandsressourcen kennen. Sie „packen“ zum Beispiel ihren  Ressourcenkoffer im offenen Stuhlkreis. Sie malen auf ein Blatt Papier einen Koffer mit Anhänger, der den Namen des Besitzers trägt. Dann wird der Koffer auf ein menschliches Gepäckband gelegt und weiter gereicht. Jeder hat die Aufgabe, eine personale Ressource des Besitzers, eine Stärke, ein Talent oder Kompliment auf den Anhänger zu schreiben. Die Übung führt zur Selbstreflexion und stärkt das Selbstwertgefühl und –vertrauen.

Der richtige Umgang mit Anforderungen sollte bereits im Kindes- und Jugendalter durch Eltern und Erziehende vermittelt werden. Strategien zur Stressregulation, die Erwachsenen helfen, nützen auch schon Heranwachsenden. Die Begabungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder sollen gefördert werden, und zwar ohne dabei Druck oder Zwang auszuüben. Kinder erfahren, dass sie (manche) Probleme auch eigenständig lösen können. Sich von Niederlagen nicht unterkriegen zu lassen, sondern sie positiv für sich zu nutzen, soll vermittelt werden.

Bei GUT DRAUF lernen Mädchen und Jungen, dass Stress sehr individuell ist und daher auch individuelle Strategien erfordert. Positives Denken geht einfacher aus einer positiven (Grund-)Stimmung heraus. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren fördern das Selbstkonzept Jugendlicher, indem sie nicht deren Schwächen, sondern Stärken herausstellen, Schwächen tolerieren oder gemeinsam beheben, Loben statt Tadeln und ein respektvolles, liberales Miteinander pflegen.

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